Kontrolle endet in einer Sackgasse
- Gabi Lindemann

- 7. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Eine Persönlichkeit, in der Kontrolle gefangen. Warum schreibe ich über solche Themen?
Was möchte ich damit erreichen ? Wen möchte ich überhaupt damit erreichen?
Hundetrainer oder Züchter, beides sind Begriffe, mit denen ich mich nicht wirklich identifizieren kann, somit auch nicht nach aussen repräsentieren kann.
Ich möchte meine Erfahrungen , die ich durchlebt habe teilen, Menschen einen Einblick geben, das es auch andere Sichtweisen gibt im Zusammenleben mit Hunden.

Die Ostertage waren für mich und meine Hunde, selten so zufrieden gewesen, nur für mich da zu sein. Keine Verabredungen, Termine oder vorgenommenen Ziele. Wir liefen keine Hunderunde, haben den Vormittag ruhig angehen lassen. Mir war danach, doch nochmal loszufahren, mal schauen, was sich daraus ergibt, natürlich waren die Hunde dabei. Mich hat es zum Hafen an die Weser gezogen. Für die Hunde war es eine gute Erfahrung, ohne Stress, einfach mal woanders sein, anzukommen, sich zu orientieren, wo bin ich überhaupt, um Sicherheit in dieser Situation zu bekommen, um sich dort zurechtzufinden. Zu erkunden, durch Neugier etwas entdecken, ausprobieren oder beobachten, um neue Erfahrungen zu sammeln. Mir ging es auch so, genau so erlebe ich mein Leben neu.
Ich fühlte mich wie ein Durchreisender, der sein Zuhause nicht vermisst. Ich habe mit den Hunden etwas gegessen, sie dösten und es war ruhig, wir waren zufrieden.
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Am nächsten Tag war mein "ich will" Modus am anklopfen. Ich wollte mit Lina mit dem Schlepper, die alte "Pusdorp" zum Moleturm fahren. Obwohl ich vom Vortag kaputt war, entschied ich mich gegen meine Körpergefühle. Durch die letzen Monate bin ich sehr sensibel geworden, was mir mein Körper sagt. Ich habe mich gegen meinen Körper entschieden und bin mit Lina losgefahren. Ich wusste, ich sollte nicht fahren. Da klopften auch gleich alte Gefühle an"nimm die Moxonleine mit, dann rutscht sie nicht aus dem Halsband". Lina merkte sofort, das ich angespannt war, die Leine war auch kürzer und dicker, wie ein kleines Tau, welches hält, wenn mal was sein sollte.
Lina ist eine Persönlichkeit, die wer ist, sie reagiert, entscheidet für mich, wenn ich nicht bei mir bin. Sie hat ein schnelles Auge, kräftigen Fuss und einen athletischen Körper der folgt.
Wir sind zum Anleger, hatten gleich einen Segellehrer neben uns, wir sind ins Gespräch gekommen. Lina legte sich zwischen uns , ich wusste sie sichert diesen Menschen. Anstatt sie wegzuschicken, das Gespräch zu beenden, weil es langsam nervte, habe ich "nichts" gemacht! Ich war angespannt, das sie nicht an den Menschen hoch ging, wenn er sich falsch bewegt. Ey, ich habe nicht auf mich gehört, konnte es aber beobachten und wusste, das ich in mein altes Muster gefallen bin. Das ärgert mich beim Schreiben gerade, auch das ich nicht zu Hause geblieben bin.

Auf dem Schlepper hat sie sich erstmal zurechtfinden müssen, sie suchte sich einen Platz wo sie sich sicher fühlte. Das war richtig gut, da habe ich ihr die Möglichkeit gegeben sich zu orientieren ohne sie abzulegen. Für die Stege war die Leine viel zu kurz, um sich selber auszubalancieren, sie hat damit wenig Erfahrung, probiert sich aber gut aus und kommt klar.
Als wir auf der Landzunge angekommen waren, machte ich sie von der Leine, damit sie sich frei bewegen konnte, ihre innere Anspannung rausging. Ich selber war unbewusst noch angespannt, es war sehr schmal dort, Ausflügler waren unterwegs und ich hatte einen Hund dabei, der wusste, das ich nicht gut drauf war. Als ich Fotos machen wollte, ging sie in konditioniertes Verhalten, zack war sie abgestellt. Menschen mögen es wenn so ein bunter Hund mit blauen Augen grinst und funktioniert. Innerlich habe ich rebelliert, gegen mich, konnte aber nicht aus mir raus. Ich habe meinen Hund kontrolliert und ich habe mich kontrolliert, das ich nicht das gemacht habe, was ich machen wollte.

Wir gingen zurück. Am Anleger wurde es voller, ich nahm sie hinter mich, ich kontrollierte sie damit, weil ich unsicher war, das sie gegen Menschen geht. Das ich sie aus meiner Unsicherheit kontrollierte bewirkt bei ihr das Gegenteil. Es fühlte sich richtig anstrengend an. Ich wusste, das es großer Mist ist, was gerade abläuft.
Auf der Rückfahrt kam ich mit dem Fahrer ins Gespräch, na klar, weil Lina in die Tür guckte. Lina mag es zu erkunden, im Mittelpunkt zu stehen. Er mochte sie, wir schnackten und die Stimmung in mir wurde entspannter, ich wurde freier und Lina wurde lässiger.


Wir gingen nach Ankunft noch ein bisschen am Wasser entlang, ich lies sie frei laufen. Sie trabte zügig los und entfernte sich immer weiter, es waren Kinder auf der Skaterbahn, ich rief sie und drehte sofort um, sie schloss sich mir an. Wieder angeleint zurück zum Auto, mit dem Gedanken, das hätte ich mir auch schenken können, es war großer Mist mit ihr diesen Ausflug zu machen. Ich war in meiner alten Rolle gefangen, weil ich mich selber übergangen habe, so wie sie dadurch in meiner Kontrolle gefangen war. Es ist auch für sie eine enorme Anspannung, sich selbst zu kontrollieren, damit sie sich anpasst. Eine Persönlichkeit, die wer ist, die sich nicht dementsprechend ihrer inneren Werte entwickeln durfte, sich im Leben zurechtzufinden, ist durch kontrolliertes Verhalten eine Sackgasse. Diese Hunde finden eine Lücke und können sich dann ganz heftig emotional entladen.
Dieser Tag war eine Lernerfahrung, ich habe meine alten Abläufe erkannt, mich reflektiert und somit meine Lina besser verstanden. Leben ist Lernen.





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